Jahresbericht 2014

Jahresbericht des Vereins Velaventura für das Jahr 2014 



Rückblick auf den Segelsommer
Dank der Zusammenarbeit mit Exodus, einem italienischen Jugendsegelprojekt, erhielten wir das Angebot, die Inuit kostengünstig in Porto Ferraio zu überwintern. Hier starteten auch die ersten beiden Törns mit Privatgästen nach Porto Veccio auf Korsika, La Maddalena in der Strasse von Bonifacio und Giglio. Diese Törns im Frühling und Herbst sind offen für alle und bilden eine wichtige finanzielle Entlastung für die Sommerreisen mit unserem Zielpublikum, Jugendliche und Menschen mit einer Behinderung. Sie liebe Leserin und Leser haben die Gelegenheit, sich auf unserer Website Velaventura.ch für eine Segelreise anzumelden oder die Inuit mit Skipper zu chartern, wenn keine Törns mit dem Zielpublikum gesegelt werden.
 
Erstmals segelten die Gäste von Pro Cap zweiwöchige Törns, was weiterreichendere Ziele zulässt. So führte uns eine Seereise von La Spezia über Elba nach Korsika, St. Florent, Bastia und zurück nach La Spezia. Starke Winde machten den Törn sportlich abwechslungsreich auf Kosten der Gemütlichkeit. Trotzdem lernten unsere Gäste an ruhigeren Bade- und Ausflugstagen rudern und genossen das Jollensegeln mit unserem neuen Walker-Bay Dinghi. Auf der Überfahrt von Bastia nach La Spezia erwarteten uns ab Cap Corse Sturmböen, welche uns eine rasche Heimfahrt bescherten. Dank dem Zweiwochentörn war die Crew bereits gut miteinander vertraut und meisterte den Sturm bravourös.
 
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei unseren Partnerorganisationen, dem Humanushaus und Procap Sport bedanken für ihr Vertrauen und Unterstützung. Ein grosser Dank gebührt dem Vorstand von Velaventura, allen Stammcrewmitgliedern und Sponsoren, welche diese Seereisen ermöglichen. 
Aarau den 27.12.2014Urs Kernen, Vereinspräsident
 
 
Ein Kundenbericht: Auf zu neuen Horizonten!
Wir, die Stiftung Mansio Wellenspiel, gehen schon seit einigen Jahren regelmässig mit wechselnder Crew auf Segelreisen. Josef (Skipper und Teamleiter im MWE) und ich (Teamleiter und Eidg. Dipl. Erlebnispädagoge NDS HF im MWE) sind schon eingespielt und haben unsere diesjährige Crew, 5 Bewohner mit geistiger Beeinträchtigung und eine pädagogische Begleitung, schnell eingeführt in unsere neue Heimat auf Zeit, der INUIT.
Das Wetter passt und warum sollten wir die Zeit im Hafen vergeuden!? Die Leinen gelöst und schon verlassen wir bei Vollmond die Küste der Cinque-Terre. Unser Ziel, die kleine Insel Capraia nordöstlich von Cape Corse erreichen wir am nächsten Nachmittag nach einer ruhigen Segelnacht. 
Im Schutz von Capraia finden wir einen ruhigen Ankerplatz. Wir haben uns schnell von der ersten Segeletappe erholt, geniessen einen Sprung von der Badeplattform ins Meer und machen eine kurze Besichtigungstour über die fotogene Insel mit dem netten kleinen Hafen. Nach der durchsegelten Nacht sind alle bald müde und verschwinden zeitig in ihren Kojen. Nur eine unserer Bewohnerinnen schreit und tobt seit wir unterwegs sind, obwohl es ihr Wunsch gewesen war, mitzukommen. Nachts müssen wir eine Entscheidung treffen! Da keiner an Bord schlafen kann, segeln wir kurzerhand nach la Spezia zurück und bringen die Bewohnerin zurück ins Wellenspiel. Unsere Arbeit ist nicht immer planbar. 
Danach segeln wir mit der INUIT ruhig weiter durch den toskanischen Archipel von Insel zu Insel. Der Wind weht sehr mässig aber wir können die Segel hissen. An Elba vorbei begleiten uns 2 Delphine mindestens eine Viertelstunde lang. Mal springen sie Steuerbord mal Backbord an unserem Segelschiff vorbei. Unsere Bewohner sind begeistert. Alle müssen anpacken beim Segelsetzen, beim Deck schrubben, am Steuerrad der INUIT, um Kurs zu halten und beim Kochen unter Deck, eine nicht so einfache Tätigkeit, wenn das Boot schräg liegt.
Dass die Natur als Erlebnisraum nicht einfach nur beherrscht werden kann, wird beim Segeln besonders offenbart. Segeln findet unter Gegebenheiten statt, die sich ständig verändern und dabei total entscheidend sind. Mal gibt es gar keinen Wind und man kommt nicht vorwärts, mal gibt es Sturm und der Törn wird sehr ungemütlich, mal kommt der Wind aus der falschen Richtung und Ziele können nicht angelaufen werden. Ist im Wohnheim daheim alles schön geplant und organisiert, können wir uns dem Wetter auf dem Meer nicht entziehen. Für unsere Bewohner ist das eine grosse Herausforderung. Sich daran anzupassen, bringt Erfolgserlebnisse ohne die übliche Erfahrung von menschlicher Macht und Herrschaft.
Wir entdecken tolle Buchten zum Ankern und stecken unsere Routen immer neu ab, da wir uns ganz nach dem Wind richten. Nach 8 Tagen auf dem Meer haben wir alle Schwierigkeiten gemeistert, kommen mit einem sehr guten Gefühl wieder zurück in unseren Ausgangshafen und treten die Heimfahrt in die Schweiz an.
Ein Dank vor allem an unseren Skipper Josef, der uns immer wieder sehr kompetent gesund nach Hause bringt und an die Firmen Ortlieb, Keen, LightXPress und Victorinox, die uns auf unseren Touren immer wieder mit Material unterstützen!
F. Siepmann, Infos zum Törn: frank.siepmann@mansio.ch ; www.mansio.ch
 
Jubiläumsfest 10 Jahre Velaventura
Am 21. Juni 2014 konnten wir bei schönstem Sommerwetter im Anschluss des Sommerfestes des Humanus-Hauses in Beitenwil unser 10 jähriges Bestehen feiern. Interessiert schauten unsere Gäste die vorgeführten Filme über unser Tun, bedienten sich am reichhaltigen Buffet, liessen sich verzaubern von den Liedern des Berner Troubadour Nils Althaus und schwangen schlussendlich zu der Musik von Bazar Express das Tanzbein.
Wir bedanken uns bei den zahlreich erschienenen Gästen, und bei allen Helfern die uns da tatkräftig unterstützt haben. 
Simon Schär, Vorstandsmitglied
 
Neu im Vorstand
„Wie kam ich zu Velaventura und auf die Inuit? Meine Tochter lebt im Humanus Haus in Beitenwil. Als ich von der Möglichkeit zu einem Segeltörn hörte, habe ich sofort zugestimmt, dass sie dieses Abenteuer mitmachen darf. Sie war begeistert. Ein Jahr später fragte mich Georg, ob ich bei einem Törn mithelfen würde. Mit gemischten Gefühlen machte ich mich auf diese Reise Richtung Mittelmeer auf. Ich war total begeistert vom Segeln, von der Inuit, von den Menschen, die mit mir auf dieser Reise waren. Seitdem begleite ich regelmässig Törns auf der Inuit immer noch mit der gleichen Begeisterung.
Zudem habe ich nun im Vorstand des Vereins Velaventura Einsitz genommen und will mich hier für diese gute Sache zugunsten von Menschen mit Handicap einsetzen.“
Beatrice Benamara, Vorstandsmitglied
 
 
 
 
 
Zahlen:
Im Jahr 2014 war die INUIT 172 Tage auf See und segelte dabei 4078 Seemeilen (ca. 7490 km). Dabei wurden 603 Bord-Tage von unserem Zielpublikum auf der INUIT gezählt (Menschen mit Behinderung, Schüler und Jugendliche). Wir konnten Fr. 30‘523,19 Abschreibungen machen. Wir erhielten Fr. 8586,37 Spenden, ganz herzlichen Dank. Die Buchhaltung weist einen Aufwand von Fr. 92‘000.- bei einem Ertrag von Fr.93‘632,90 aus.  
 
Nach zehn Jahren dürfen wir auf eine gut konsolidierte Auslastung zurückblicken: Die Tabelle 1 zeigt die Bordtage (=Anzahl Gäste x Anzahl Tage auf See) und die Segeltage (Anzahl Tage der Inuit auf See).
Die Tabelle 2 zeigt mit welchen Gästen wie viele Törns gefahren wurden.
 
 
Ausblick
Die Inuit ist seit zehn Jahren im Dienst nach einer mehrjährigen Bauphase. Das Rigg wurde durch den Verein Kontaki als gebrauchtes Swanrigg gekauft. Ebenso waren die bereits ausgetauschten Motoren gebraucht. Deshalb planen wir eine grössere Renovation mit einer gründlichen Riggkontrolle, neuen Rettungsmitteln, Genua, Luken und Innenverkleidung nebst den üblichen Winterarbeiten am Schiff zwischen dem 2.-23. Mai 2015. 
Bereits sind 12 Sommerwochen für Törns mit unserer Zielgruppe geplant. Auf unserer Website velaventura.ch ist ersichtlich wann wo Törns stattfinden und wie Sie sich anmelden können. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Segelsaison 2015.
 
Der Vorstand: 
Simone Tritten, Beatrice Benamara, Georg Domeyer, Hubert Gygax, Simon Schär, Urs Kernen